Kein Schwimmtraining, keine Gruppenstunden, keine Schwimmkurse. Man könnte meinen, dass Corona für Langeweile bei der Neunburger Wasserwacht sorgt. Dabei ist eher das Gegenteil der Fall. Die Wasserwacht ist als Hilfsorganisation zur Katastrophenhilfe verpflichtet, damit verbunden waren viele Besprechungen und Vorbereitungen. Zugleich galt es weiter die Einsatzbereitschaft für unseren originären Aufgabenbereich – die Wasserrettung – sicherzustellen. Hier hat sich bewährt, dass die Wasserwacht bayernweit seit Jahren über ein entsprechendes System für Videokonferenzen verfügt, So waren Besprechungen und Schulungen mit mehr als 60 Teilnehmern kein Problem.  Schutzkleidung musste beschafft werden und Desinfektionspläne mussten erstellt werden. Sowohl die Beschaffung der Schutzkleidung, als auch die Desinfektionspläne für die Ausrüstung gestalteten sich dabei alles andere als einfach. Anders als die Feuerwehren hat die Wasserwacht hier keinen Sachaufwandsträger und die Ortsgruppe musste bereits die ersten Schutzmasken selbst beschaffen. Anfang Mai wurden wir dann vom Kreisverband vollständig ausgerüstet.

Auch die Erstellung der Desinfektionspläne sorgte für Überraschungen: Viele Ausrüstungsgegenstände aus dem Bereich Wasserrettung dürfen nicht mit Desinfektionsmitteln behandelt werden und müssen nach einem Kontakt mit möglicherweise Infizierten Patienten weggeworfen werden – dabei geht es leider nicht nur um Verbrauchsmaterial, sondern z.B. auch um die über 200,- € teuren Rettungswesten.

Alle Helfer mussten in einem dreistufigen Konzept zum Thema Infektionsschutz ausgebildet werden. Neben den allgemeinen Hygieneregeln ging es hier um das richtige An- und Ablegen der Schutzausrüstung, also Overall, Handschuhe, Schutzbrille und den Umgang mit infizierten Patienten, aber auch um die Reanimation in Zeiten von CoVid10. Die erste Stufe konnte sich jeder ganz bequem zu Hause einteilen. Der BRK-Lerncampus, die E-Learning Plattform des BRK, die seit letztem Jahr jedem Wasserwachtmitglied zur Verfügung steht hat damit ihre erste Bewährungsprobe bestanden. In der zweiten Stufe wurden alle Mitglieder in Videokonferenzen vom Arzt der Kreiswasserwacht und vom Hygienebeauftragten der Kreiswasserwacht nochmal intensiv in das Thema eingewiesen. Zu guter Letzt mussten alle Helfer vor Ort praktisch im Anlegen und vor allem im sicheren Ablegen der Schutzkleidung unterwiesen werden. Aufgrund der Abstandsregeln war die Teilnehmerzahl je Schulung stark begrenzt und der Zeitaufwand für die Ausbilder enorm.

Glücklicherweise hat sich die Lage im Landkreis Schwandorf so entwickelt, dass ein Einsatz der Wasserwacht zur Bewältigung der Katastrophenlage nicht erforderlich war – am Arbeitsaufwand und den Vorbereitungen ändert das leider nichts.

Ebenso glücklicherweise gab es im Landkreis Schwandorf bislang nur wenige Wasserrettungseinsätze seit Beginn der Krise. Diese waren Gott sei Dank zudem unproblematisch und zum Teil eher Lustig, wie zum Beispiel eine schwimmende Kuh im Murner See, die den See völlig gesund und quietschfidel wieder verlassen hat. Bayernweit erwartet die Wasserwacht aber einen arbeitsreichen Sommer. Man rechnet mit vielen Urlaubern „daheim“ und vollen Badeseen. Um hierfür gerüstet zu sein werden die Wasserwachten ab Juni den Fortbildungsbetrieb teilweise wieder aufnehmen. Bereits ab nächster Woche werden die Fortbildungen der Rettungstaucher der Wasserwacht sowie der Luftretter der Bergwacht wieder aufgenommen, da Trainingsdefizite hier ein enormes Risiko im Einsatz bedeuten würden. Natürlich werden auch diese Übungen nur unter strenger Berücksichtigung der Hygieneregeln und der Abstandsregeln erfolgen. Neuausbildungen, also zum Beispiel Lehrgänge zum Taucher und Bootsführer bleiben leider auf unbestimmte Zeit ausgesetzt

Ausgebremst bleibt leider auch der Nachwuchs. Wann ein Trainingsbetrieb und Schwimmkurse wieder aufgenommen werden können bleibt weiter unklar.

Unklar bleibt auch die finanzielle Situation der Wasserwacht. Das 24-Stunden-Schwimmen ist ausgefallen Schwimmkurse können nicht stattfinden. Zugleich muss das Einsatzgerät weiter unterhalten werden und kostet auch die Infektionsschutzausrüstung Geld. Auch die Wasserwacht hat damit – wie wahrscheinlich viele andere Vereine  – durchaus ein wenig finanzielle Probleme.

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